Kabarett vom Feinsten im Königlichen Kurtheater

„Das Kabarett (von franz. cabaret = Kneipe) ist eine Form der Kleinkunst, in der Darstellende Kunst (Szenen, Monologe, Pantomime usw.), Lyrik (Gedichte usw.) und/oder Musik miteinander verbunden werden. Kabarett ist gesellschaftskritisch und komisch-unterhaltend, aber auch künstlerisch-ästhetisch.“ So steht es in Wikipedia – und was am vergangenen Sonntagnachmittag bei KiKK (Kabarett im Königl. Kurtheater) zu sehen war, erfüllte genau diese umfangreiche Beschreibung.

„Neurotikon“ nannte sich das musikalische und gesellschaftskritische Kabarett mit Nicole Knuth und Olga Tucek. Beide kommen aus der Schweiz, sind absolute Profis, und im gut besuchten Wildbader Kurtheater liefen sie wirklich zur Hochform auf. Schließlich muss Nicole Knuth ihrem Namen gerecht werden, denn sie ist Enkelin von Gustav Knuth und Großnichte von O. W. Fischer, während Olga Tucek ausgebildete Sängerin ist. Ihr „Heimatfilmtheater,“ mit dem die „Happy Holiday Travel Tours“ Zuhörer und Zuschauer in das Easy-Luck-Kur-Castle-Hotel Abaton in Hinterdorf führen wollen, um dort in der Weltfriedenskonferenz den Weltfrieden zu verkünden, hat allerdings ein offenes Ende, denn ein Kind hat die schwarze Tasche mit der final-globalen Bubble-Bombe geklaut.

Aber auf ihrem komiktriefenden Weg dorthin lassen sie in 2 x 50 Minuten mit Engelsstimmen und Teufelszungen ihre abgründigen und bitterbösen, aber ebenso geistreichen und wortgewandten Texte und Songs ins Publikum rauschen, das oft nicht weiß, ob es eher lachen oder besser weinen soll. Der Spiegel, den uns Knuth und Tucek vorhalten, ist unangenehm grell und wie ein Netz mit Löchern gespannt. Selbstfindungstechnik, Politik, Wirtschaft, Spiritualität wird ebenso persifliert wie der Papst, ein Schweizer Meteorologe im deutschen Gefängnis, Erlösergestalten mit Bart, die Fremdenhasser („Asylanten wie Hydranten fluten unsere heile Welt“) oder die Showindustrie. Nichts ist vor den beiden Schweizerinnen sicher, nicht einmal ihr eigenes Land, und alle kriegen ihr Fett ab …

Es war ein pralles, gleichzeitig bitteres und süßes Zeit- und Sittengemälde, eine köstlich böse Unterhaltung – eben Kabarett vom Feinsten. Und bei Knuth und Tucek stimmte, was bereits 1890 zu diesem Genre an Unterhaltung geschrieben wurde: Das Kabarett „sollte politische Ereignisse persiflieren, die Menschheit belehren, ihr ihre Dummheit vorzuhalten, und dem Mucker die schlechte Laune abgewöhnen.“ Das taten die beiden Damen, und die Besucher hatten anschließend wirklich keine schlechte Laune mehr, sondern bewunderten nicht nur die Wort- und Stimmgewalt, sondern auch die Spontaneität und den geistigen Reichtum von Knuth und Tucek, die ihre Nummern selbst arrangieren, dichten, texten und musikalisch bearbeiten. Übrigens: Das Akkordeon spielte Tucek …

Die nächste Veranstaltung im K. Kurtheater ist das Musical „Die blaue Kamée,“ eine Veranstaltung des Fördervereins Kurtheater in Verbindung mit der West-Ost-Gesellschaft in Baden-Württemberg e. V. und unterstützt von der baschkirisch-deutschen Gesellschaft, dem UNESCO-Komitee sowie der Regierung von Baschkortostan. Am 11. September, um 19 Uhr und am 12. September, um 11 Uhr gastiert erstmals in Deutschland das Staatl. Akad. Dramat. Russische Theater aus Ufa/Baschkortostan mit diesem temperamentvoll inszenierten furiosen Musical über die russische Zarin Katharina die Große und ihre Gegenspielerin. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Touristik Bad Wildbad.

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